Februar 2011

Gehörloser trägt Gehörschutz

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Michael Druzinkin (links) an seinem Arbeitsplatz, zusammen mit Firmenchef Aage Drebelow

Nordholz. Sie ist eine der wenigen Firmen in der Region, die für den weltweiten Markt produziert – die Firma Drebelow. Ihre Hydraulikblöcke stecken in dänischen Windrad-Riesen oder chinesischen Containerbrücken. In der Firma in der Nordholzer Peilstelle hat man auch ein Herz für Gehörlose. Das hat Michael Druzinkin erfahren, der in Nordholz einen Vollzeitarbeitsplatz bekam.

Die rundum schöne Geschichte begann mit einer Bewerbung des in Russland geborenen und in Bremerhaven lebenden Maschinenbaumechanikers Michael Druzinkin bei der Nordholzer Firma „Drebelow und Jahn Hydraulik“ für ein Praktikum. Hier in der Nordholzer Peilstelle werden hydraulische Steuerblöcke für den weltweiten Markt hergestellt, die später an Containerterminals, Motoren oder Windkraftanlagen eingebaut werden.

Die dreiwöchige Probezeit verlief für Michael Druzinkin und seinen Chef Aage Drebelow zur vollsten Zufriedenheit. Ein Arbeitsvertrag wurde gemacht und der junge Mechaniker begann zu arbeiten. Erst nach Abschluss des Arbeitsvertrages hat sich die Agentur für Arbeit bei dem Spezialbetrieb in Nordholz gemeldet und dafür gedankt, dass ein Gehörloser eingestellt wurde. Die Arbeitsagentur übernimmt deshalb den Lohn für die ersten drei Monate. Aage Drebelow war von dem Angebot so überrascht, dass er einen Monatslohn in Höhe von 1800 Euro an die Schule an der Marcusallee in Bremen spendete. Die Schule ist Förderzentrum für die Bereiche Schwerhörigen- und Gehörlosenpädagogik. „Wir sind froh, Michael Druzinkin im Team zu haben, er hat im Praktikum überzeugt, gute Arbeit abgeliefert und ist sehr beliebt bei der Mannschaft, letztlich hat ihn das gesamte Team eingestellt“, sagt Aage Drebelow.

Probleme mit der Kommunikation gibt es nicht, Dinge werden praktisch erklärt, Zeichnungen helfen oder es werden notwendige Anweisungen auf einen kleinen Block geschrieben. Die Einarbeitung erfolgte, indem ihm der Arbeitsplatz gezeigt wurde und die Sicherheitsvorschriften vermittelt wurden. Dann konnte der junge Maschinenbaumechaniker unter Anleitung schon die ersten Arbeiten erledigen. Sehr schnell hat der „neue Mann“ selbstständig gearbeitet. Inzwischen ist er täglich von 7 bis 17.30 Uhr im Betrieb.

Michael Druzinkin hat in Bremerhaven schon einige Praktika gemacht und gute Ergebnisse erzielt. „Dass er dann nicht eingestellt wurde, liegt offenbar an einer gewissen Hemmschwelle, einen Gehörlosen einzustellen“, vermutet Aage Drebelow. „Wir konnten feststellen, dass gehörlose Menschen ein viel besseres Wahrnehmungsvermögen haben als Menschen mit Gehör.“ Michael Druzinkin kann seinen Kollegen auch schon diverse Worte von den Lippen ablesen. Die Verständigung, so der Firmenchef, wird jeden Tag besser. Auch ein Gehörloser muss bei besonderen Arbeiten einen Gehörschutz tragen. Das ist vor allem bei hohen Tönen, wie sie beim Ausblasen von Metallspänen aus dem Block entstehen, notwendig. Die Hauptaufgaben am Arbeitsplatz des jungen Bremerhaveners sind das Entgraten der Steuerblöcke und die Bezeichnung des fertigen Werksstücks, damit der Monteur später weiß, wo er die entsprechenden Anschlüsse findet. Zusätzlich ist der neue Mitarbeiter im Bereich der Verpackung eingesetzt.

Text und Foto: NORDSEE-ZEITUNG, thm

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